Emotionen pur – Teil 1

Diese Europameisterschaft U23 war eine Achterbahn der Gefühle und letztendlich gabs Herzklopfen kostenlos. Die Einzelwettkämpfe waren spannend und voller Emotionen für das deutsche Team

Am ersten Tag stehen zwei Athleten im Kleinen Finale, verlieren verlieren jedoch jeweils ihre Kämpfe. Als die deutschen Athleten sich am ersten Tag mit jeweils zwei fünften und siebten Plätzen von der Tatami verabschiedeten, schien dieser Traum von der 100. EM U23-Medaille ausgeträumt zu sein. Aber da hatten wir die Rechnung noch nicht mit unseren oberen Gewichtsklassen gemacht. Am zweiten Tag kämpften die Athleten wie entfesselt und erkämpften eine Medaille nach der anderen.

Zunächst wiederholte Friederike Stolze (SV Halle – ST) ihren Bronzeplatz in der Klasse bis 70 kg vom Vorjahr. „Die Halle ist echt cool, es war total laut, eine so tolle Stimmung, die war richtig krass“, ist sie noch immer begeistert.

Samira Bock (TSV München Großhadern – BY) setzte dann einen drauf und wiederholte ihren Europameistertitel in der gleichen Klasse. „Es war mir in diesem Jahr sehr wichtig, weil ich bei der EM U21 nicht so gut abgeschnitten hatte“, sagt sie nach der Siegerehrung. „Ich bin jetzt echt happy und bin positiv überrascht“, ist sie begeistert, auch vor dem Hintergrund, dass sie in diesem Jahr nicht ganz perfekt trainieren konnte. Es plagten sie immer wieder Verletzungen. „Meine ganzen Emotionen, die ich da hatte, kann ich gar nicht beschreiben“, versucht sie, ihr Gefühlschaos etwas zu ordnen.

„Ehrlich gesagt habe ich noch nie vor so vielen Leuten gekämpft, 3.000 Zuschauer und so eine coole Atmosphäre sind für mich Neuland. Es war ein perfekter Tag, ich habe die Atmosphäre sehr genossen – vor allem vor meiner Familie“, strahlte die Europameisterin.

Nun gilt ihr ganzer Focus dem Mixed Team einen Tag später und sie verrät etwas, woran sie sicher selbst nicht ganz geglaubt hat. „Es ist mir schon öfter passiert, dass ich meine Einzelmedaille auch noch einmal mit dem Team gewonnen habe. Es wäre schon cool, wenn ich diese Medaille gleich zwei Mal mit nach Hause nehmen könnte.“ Vielleicht ist es einfach auch mal gut, so etwas auszusprechen, um das Omen wahr werden zu lassen.

Zunächst bleiben wir aber hier bei den Einzelwettkämpfen. Raffaela Igl (TSV Abensberg – BY) steht im Finale der Klasse bis 78 kg, muss sich jedoch Yuliia Kurchenko aus der Ukraine beugen und gewinnt damit Silber. Es war die 99. Medaille bei den U23-Europameisterschaften seit der Einführung im Jahr 2004.

Zwei heiße Eisen liegen noch im Feuer. Kilian Kappelmeier (TSV München Großhadern – BY) kämpft um Bronze in der Klasse bis 100 kg. Er rockt den Kampf und liefert ab. Bereits nach elf Sekunden war der Kampf gegen Viktor Adam aus der Slowakei vorbei und er gewinnt Bronze. Erst nach dem Kampf wird ihm bewusst, dass er der Jubiläumskandidat ist. Er ist der Gewinner der Medaille Nr. 100.

Daniel Udsilauri (TSV-Erbach – BW) steht im Schwergewicht ebenfalls im Kampf um Platz drei. Er wurde dann jedoch Fünfter.

„Damit haben wir vor dem abschließenden Mixed-Team-Wettbewerb am Sonntag bereits alle unsere sportlichen Ziele erreicht. Aber wir hoffen insgeheim, dass Team Deutschland am Sonntag auch eine Medaille, am besten Gold, holt“, hofft DJB-Vorstandsvorsitzender Frank Doetsch. „Letztes Jahr wurden wir im Finale von der Türkei mit 1:4 geschlagen. Auch vor unseren eigenen Fans dürfte der Titel zum Greifen nah sein.“

Unsere brandenburgischen Athleten Charlotte von Leupoldt und Maximilian Standke haben ihren Auftaktkampf verloren und sind damit schnell ausgeschieden. Yvo Witassek, der erst im letzten Moment noch auf dem EM-Zug aufspringen durfte, gewinnt nach einem Freilos seinen Auftaktkampf, wird aber dann von dem Serben Igor Vracar in die Trostrunde geschickt. Gegen den Aserbaidschaner Kanan Nasibov verliert er dann und beendet die Europameisterschaften mit einem siebten Platz.

Foto: Gabi Juan

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